Eine spirituelle Mutterschaft verkündet
Am Montag nach Pfingsten feiert die Kirche nun das liturgische Gedächtnis von Maria, der Mutter der Kirche. Dieses von Papst Franziskus im Jahr 2018 gewünschte Fest soll die innige Verbindung zwischen Maria und der Kirche betonen, die im Gebet und im Feuer des Heiligen Geistes entstanden ist.
Dieser marianische Titel ist nicht neu. Er wurde von Paul VI. am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils am 21. November 1964 feierlich proklamiert. Er erklärte:
"Wir erklären die allerseligste Jungfrau Maria zur Mutter der Kirche, das heißt des gesamten christlichen Volkes, sowohl der Gläubigen als auch der Hirten."
Diese Geste war eine starke Art, die mütterliche Gestalt Marias in das Herz der Kirche der Erneuerung zu schreiben, einer Kirche, die brüderlicher, pastoraler und weltoffener ist. Indem Franziskus ein eigenes liturgisches Fest dafür festlegte, wollte er diese Glaubenswahrheit in das tägliche Gebet des christlichen Volkes einfließen lassen.
Ein Fest, das am Tag nach Pfingsten platziert wurde
Die Platzierung dieses Festes unmittelbar nach Pfingsten ist zutiefst symbolisch. Im Abendmahlssaal ist Maria mit den Aposteln anwesend, betend, schweigend, treu. Sie ist nicht nur Zeugin der Geburt der Kirche: Sie ist ihre geistliche Mutter, die wacht, Fürsprache einlegt und zusammenführt.
Durch die Platzierung dieses Festes am Montag der 10. Woche der ordentlichen Zeit lädt die Kirche die Gläubigen ein, in diese neue Etappe einzutreten: Nach dem Kommen des Geistes beginnt das Leben der Kirche, und Maria begleitet diesen Anfang, wie sie Jesus begleitet hat.
Eine Mutterschaft, die unser Glaubensleben erhellt
Maria als "Mutter der Kirche" zu bezeichnen, bedeutet nicht, ihr eine äußerlich prestigeträchtige Rolle zuzuweisen. Es bedeutet, ihren realen und lebendigen Platz im Glaubensweg jedes Getauften anzuerkennen.
Sie ist Mutter, weil sie Leben schenkt: Sie hat Christus geboren und fährt fort, uns durch ihr Gebet und ihre Gegenwart mit Gott zu gebären.
Sie ist Mutter der Kirche, weil sie das Herz der Kirche kennt: Sie kennt die Freude, das Leid, die Angst, den Glauben, den Zweifel. Sie ist uns näher, als wir uns vorstellen können, und sie wacht zärtlich über das christliche Volk.
Eine Mutter im Dienst der Einheit
Eines der großen Charismen Marias ist die Einheit. Überall, wo sie angerufen wird, bringt sie Menschen zusammen, beruhigt und befriedet. In Familien, Pfarreien und Gemeinschaften ist das Mariengebet oft ein Ferment der Versöhnung.
Das Fest Mariens, der Mutter der Kirche, ist daher ein Aufruf zur Einheit: Einheit unter Christen, Einheit zwischen Priestern und Laien, Einheit zwischen Ortskirchen, Einheit in unseren Herzen.
Es ist auch eine Einladung, Marias Art, in der Kirche zu sein, nachzuahmen: diskret, treu, liebevoll, vertrauensvoll betend, still dienend.
Ein Fest für heute
Während die Kirche Zeiten der Krise, der Reinigung und der Infragestellung durchläuft, ist die Gestalt Marias ein sicherer Bezugspunkt. Sie flieht nicht vor dem Kreuz, sie verschließt sich nicht in der Vergangenheit, sie herrscht nicht: Sie liebt, sie trägt, sie schenkt.
Maria ist die Mutter aller, ohne Unterschied. Sie ist die erste Jüngerin, das Vorbild des Glaubens, die Frau des Zuhörens, die lebendige Erinnerung an das Evangelium.
Sie als "Mutter der Kirche" zu feiern, bedeutet, sich vertrauensvoll an sie zu wenden, um ihr zu sagen:
"Begleite uns in dieser verwundeten, aber lebendigen Kirche. Hilf uns, weiter zu glauben, immer zu lieben und demütig zu dienen."
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