Von der Größe Roms zur Suche nach der Stille
Der heilige Arsenius wird um das Jahr 354 in Rom in eine adlige, gebildete und christliche Familie hineingeboren. Begabt mit einem scharfen Verstand und einem feinen Gemüt, erhält er eine umfassende Ausbildung in den freien Künsten, Sprachen, Philosophie und Theologie. Er wurde zum Diakon geweiht und wurde bald zu einer Vertrauensperson in der kaiserlichen Umgebung. Kaiser Theodosius wählt ihn als Hauslehrer für seine beiden Söhne Arcadius und Honorius. Arsene lebt also mehrere Jahre lang in der Pracht und Raffinesse des kaiserlichen Hofes in Konstantinopel.
Aber tief in seinem Inneren wächst eine Unruhe. Dieser Luxus, dieser Ruhm und diese Verantwortung nähren seine Seele nicht. Er spürt einen tiefen Ruf, sich von der Welt zu lösen und Gott in der Stille zu suchen. Im Alter von 40 Jahren lässt Arsenius alles hinter sich: sein kaiserliches Amt, seinen Reichtum und seine Privilegien. Er reist nach Ägypten, dem Land vieler Eremiten, um in der Wüste zu leben und sich ganz Gott zu widmen.
Ein Einsiedler in der Wüste, ein Meister des Schweigens
Arsene wird Mönch in der Wüste von Scete, in der Gemeinschaft der Wüstenväter. Er wählt jedoch eine noch strengere Lebensform als die meisten seiner Gefährten. Er entscheidet sich für eine fast völlige Einsamkeit, extreme Armut und absolutes Schweigen. Er spricht nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Man nennt ihn "den großen Schweiger".
Ein berühmtes Wort von Arsène ist erhalten geblieben:
"Viele Worte nähren die Seele nicht. Ich habe oft bereut, dass ich gesprochen habe, nie, dass ich geschwiegen habe."
Er schlief wenig, betete nachts, flocht Körbe aus Schilfrohr, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und meditierte lange über die Heilige Schrift. Sein Leben war ganz auf Demut und die Reinigung des Herzens ausgerichtet. Er lehnte jede noch so fromme Ablenkung ab, die seine Verbindung mit Gott hätte stören können.
Wenn ein junger Mönch ihn um einen Rat bat, schwieg er oft lange, als wolle er den Heiligen Geist im Herzen des Schülers sprechen lassen. Er sagte auch:
"Arsene, warum bist du in die Wüste gekommen? Sei still, fliehe, bleibe in Frieden."
Eine Weisheit für unsere Zeit
Das Leben des heiligen Arsenes scheint gegen den Strom unserer modernen Welt zu schwimmen, die mit Lärm, Worten und Hektik gesättigt ist. Und doch ist seine Botschaft aktueller denn je. Er lehrt uns, dass die Stille keine Leere ist, sondern eine Präsenz. In der Stille des Herzens kann Gott uns erreichen, uns erleuchten und heilen.
Arsène erinnert uns an die Bedeutung von Demut, Entäußerung und Zuhören. Sein Leben ist ein Aufruf, in die Tiefe der Seele einzudringen, sich für das Wesentliche statt für das Oberflächliche zu entscheiden, die stille Wahrheit der lauten Meinung vorzuziehen. Dies ist keine Flucht vor der Welt, sondern eine Art, sie auf andere Weise zu tragen, im Gebet und in diskreter Liebe.
Er starb um 449, nach mehr als 50 Jahren verborgenen Lebens in der Wüste. Sein Ruf der Weisheit und Heiligkeit verbreitete sich weit über Ägypten hinaus.
Gebet an den heiligen Arsenius
Heiliger Arsenius,
der du alles verlassen hast, um Gott in der Stille zu suchen,
lehrt uns, den Tumult unserer inneren Welt zum Schweigen zu bringen.
Du, der du den Luxus gekannt, aber die Armut gewählt hast,
helfen Sie uns, unsere Herzen von dem, was vergeht, zu lösen.
In deiner Einsamkeit hast du die Kunst gelernt, Gott um seiner selbst willen zu lieben.
Lehre uns das einfache Gebet, das fruchtbare Schweigen, die wahre Gegenwart.
Bitte für diejenigen, die den Frieden suchen, ohne ihn zu finden,
und für diejenigen, die Angst haben, sich selbst gegenüberzutreten.
Heiliger Arsenius, Einsiedler in der Wüste,
inspiriere in uns die Sehnsucht nach Gott, die stärker ist als die der Welt.
Mach uns frei, verfügbar, bewohnt.
Und lass uns nach deinem Beispiel zu Seelen der Stille und des Feuers werden.
Amen.