Eine Liebe, die allem vorausgeht
Schon vor der Erschaffung der Welt ist Gott Liebe (1. Johannes 4,8). Er ist nicht nur derjenige, der liebt: Er ist die Liebe. Diese Liebe ist kein vorübergehendes Gefühl oder eine verdiente Belohnung, sondern eine göttliche, ewige Realität, die bedingungslos angeboten wird. Im Genesisbericht zeigt sich diese Liebe schon bei der Schöpfung: Gott formt Mann und Frau nach seinem Bild, segnet sie und vertraut ihnen die Erde mit vollem Vertrauen an.
Selbst nach dem Ungehorsam Adams und Evas wendet sich Gott nicht ab. Er setzt einen Akt des Schutzes, indem er ihnen Kleider schenkt, und verspricht bereits einen kommenden Retter. Dieses Versprechen, diese Treue trotz der Sünde, ist das Zeichen einer Liebe, die nie erlischt, selbst wenn der Mensch sich entfernt.
Das Alte Testament: Ein Volk, das trotz seiner Untreue geliebt wird
Durch die Erzählungen des Alten Testaments ist die Liebe Gottes zu seinem Volk vergleichbar mit der eines Vaters zu seinem Kind oder eines Ehemanns zu seiner Geliebten. Gott schließt einen Bund mit Abraham und führt seine Nachkommen in das Gelobte Land. Er befreit Israel aus der Sklaverei in Ägypten, gibt ihm das Gesetz, um in Freiheit zu leben, und begleitet es trotz seiner Rebellionen.
Die Propheten, die oft abgelehnt werden, erinnern an dieses Band der Liebe. Hosea zum Beispiel heiratet eine untreue Frau, um die Treue Gottes gegenüber einem Volk zu bezeugen, das ihn verrät. Jeremia, Ezechiel und Jesaja sprechen von diesem verletzten, aber nie verschlossenen göttlichen Herzen. Gottes Liebe ist nicht passiv: Sie ist leidenschaftlich, manchmal eifersüchtig, immer bereit zu vergeben.
"Ich liebe dich mit ewiger Liebe, so will ich dir auch meine Treue bewahren" (Jeremia 31,3).
Dieser Vers fasst die ganze Geschichte eines Gottes zusammen, der nicht aufhört zu lieben.
Jesus Christus: Der Gipfel der bedingungslosen Liebe
Die Liebe Gottes nimmt in der Person Jesu Fleisch an. Durch sein Leben, seine Gesten und seine Worte offenbart Jesus eine Liebe, die alle menschlichen Erwartungen übersteigt. Er berührt die Aussätzigen, nimmt die Sünder auf, weint mit den Trauernden, vergibt den Ehebrechern. Er wartet nicht darauf, dass die Menschen perfekt sind, um sie zu lieben. Im Gegenteil, es ist ihre Schwäche, die sein Mitgefühl auf sich zieht.
Aber am Kreuz erreicht die bedingungslose Liebe ihren Höhepunkt. Jesus nimmt Leiden und Tod in Kauf, um diejenigen zu retten, die ihn abgelehnt haben. Er betet sogar für seine Henker: "Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun" (Lukas 23,34). Diese Liebe übersteigt die menschliche Gerechtigkeit. Sie erwartet keine Gegenleistung, sondern gibt sich ganz hin.
Die Auferstehung ist nicht nur ein Sieg über den Tod: Sie ist der Triumph der Liebe. Sie bestätigt, dass nichts - weder Sünde, noch Verrat, noch Hass - die Liebe Gottes auslöschen kann.
Eine Liebe für jeden, auch heute noch
Diese biblische Botschaft ist keine Erinnerung an die Vergangenheit. Sie ist auch heute noch lebendig. Die bedingungslose Liebe Gottes wird jedem Menschen angeboten, unabhängig von seinen Verletzungen, seinen Fehlern oder seiner Geschichte. Sie ist nicht den Perfekten, den glühenden Gläubigen oder den Gerechten vorbehalten: Sie ist für alle da. Und oft entdecken wir ihn am besten in unserer Zerbrechlichkeit.
Es genügt, sein Herz zu öffnen, sich lieben zu lassen, ohne zu versuchen, etwas zu verdienen. Gott stellt keine Bedingungen, sondern er lädt uns ein, von dieser Liebe verwandelt zu leben. Er ruft uns auf, unsererseits zu lieben: unsere Nächsten, unsere Feinde und auch uns selbst. Denn wir sind manchmal am härtesten zu uns selbst.
Das Gebet: Ort der Erfahrung der Liebe
Im Gebet, in der Stille des Herzens, kann sich diese Liebe als Wärme, Frieden und Licht bemerkbar machen. Sie kann uns aufrichten, trösten, führen. Und selbst in den Nächten des Zweifels bleibt Gott da. Wie ein Vater, der unermüdlich wacht.
"Auch wenn eine Mutter ihr Kind vergisst, ich werde dich nie vergessen" (Jesaja 49,15).
Das ist das Versprechen, auf das jeder sein Leben bauen kann.
Gebet : O Gott der Liebe, ich vertraue mich dir an
Sehr geehrter Herr,
Du hast mich als Erster geliebt.
Bevor ich dich kannte, hast du auf mich gewartet.
Bevor ich dich liebte, hast du mich schon geliebt.
Und wenn ich dich vergesse, wendest du dich nie ab.
Du kennst mein Herz und meine Schwächen,
und du rufst mich immer noch bei meinem Namen.
Ich muss mich nicht verstellen oder deinen Blick verdienen:
Du liebst mich so, wie ich bin.
Lerne mich, diese Liebe zu empfangen
wie ein Kind die offenen Arme eines Elternteils.
Lerne mich, sie in meinen Wunden zu empfangen,
ihr in meinem Schweigen zuzuhören,
sie in den einfachen Gesten des Alltags zu erkennen.
Lass mich zu einem Spiegelbild deiner Liebe werden,
um diejenigen zu lieben, die sich schwer tun, an ihren Wert zu glauben.
Und vor allem, Herr, höre nie auf, mich zu lieben,
selbst wenn ich mich vor dir verschließe.
Denn es ist deine Liebe, die mich leben lässt.
Amen.