Jedes Jahr am 15. August feiern die Katholiken eines der größten Feste zu Ehren der Jungfrau Maria: Mariä Himmelfahrt.
Mitten im Sommer versammelt dieses Hochfest die Gläubigen in Kirchen, Wallfahrtsorten und Pilgerstätten. Messen, Marienprozessionen und Gebete begleiten traditionell diesen besonderen Tag.
Aber was feiern wir eigentlich am Mariä-Himmelfahrtstag? Warum nimmt dieses Fest einen so wichtigen Platz im katholischen Glauben ein? Und vor allem: Welche Botschaft kann es den Christen heute noch vermitteln?
Was wird am 15. August gefeiert?
Mariä Himmelfahrt feiert den Eintritt der Jungfrau Maria in die Herrlichkeit des Himmels, mit Leib und Seele, am Ende ihres irdischen Lebens.
Maria, die dazu auserwählt war, die Mutter Jesu Christi zu werden, lebte ihr ganzes Leben lang im Vertrauen und in der Treue zu Gott. Von der Verkündigung bis zum Kreuz begleitet sie ihren Sohn und bleibt ihrer Berufung treu.
Das Geheimnis der Himmelfahrt zeigt uns, wie Maria am Ende ihres irdischen Weges angekommen ist und von Gott voll und ganz aufgenommen wurde.
Für Gläubige ist dieses Fest daher tief mit der christlichen Hoffnung verbunden: Der Tod ist nicht das Ende von allem. Er eröffnet die Verheißung des ewigen Lebens bei Gott.
Warum spricht man von „Mariä Himmelfahrt“?
Das Wort „Mariä Himmelfahrt“ stammt vom lateinischen assumere ab, was man mit „mit sich nehmen“ oder „erheben“ übersetzen kann.
Diese Bedeutung verdeutlicht einen wichtigen Unterschied zwischen der Himmelfahrt Jesu und der Aufnahme Marias in den Himmel.
Die Himmelfahrt feiert den auferstandenen Christus, der in den Himmel auffährt.
Die Himmelfahrt Marias hingegen bezieht sich auf Maria, die von Gott in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wird.
Die beiden Feste unterscheiden sich also voneinander, auch wenn ihre Namen manchmal zu Verwechslungen führen können.
Wird die Himmelfahrt Mariens in der Bibel erzählt?
Die Bibel enthält keine Erzählung, die die Himmelfahrt Mariens direkt beschreibt, so wie sie beispielsweise die Himmelfahrt Christi schildert.
Der Glaube der Kirche an die Himmelfahrt Marias hat sich im Laufe der Jahrhunderte durch die christliche Tradition, theologische Überlegungen und die Verehrung der Mutter Gottes entwickelt.
Schon in den ersten Jahrhunderten des Christentums haben die christlichen Gemeinschaften über das besondere Schicksal Marias nachgedacht.
Im Osten entwickelte sich insbesondere das Fest der Entschlafung der Mutter Gottes, während die westliche Tradition nach und nach von der Himmelfahrt sprach.
Diese alten Traditionen zeugen von dem außergewöhnlichen Stellenwert, der Maria im christlichen Glauben zukommt.
Das 1950 verkündete Dogma der Himmelfahrt
Auch wenn der Glaube an die Himmelfahrt sehr alt ist, ist seine feierliche Festlegung als Dogma der katholischen Kirche viel jüngeren Datums.
Am 1. November 1950 verkündete Papst Pius XII. offiziell das Dogma von der Himmelfahrt in der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus.
Die Kirche bekräftigt damit, dass die Jungfrau Maria am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.
Diese Verkündigung führte also 1950 nicht zur Einführung eines neuen Festes. Sie bestätigte vielmehr feierlich einen Glauben und eine Verehrung, die seit vielen Jahrhunderten in der christlichen Tradition verankert waren.
Maria, Zeichen der Hoffnung für die Christen
Mariä Himmelfahrt ist nicht nur ein Fest, das dem außergewöhnlichen Schicksal Marias gewidmet ist.
Es spricht auch von unserer eigenen Hoffnung.
Der christliche Glaube lehrt, dass der Mensch zum ewigen Leben bei Gott berufen ist. Indem die Gläubigen Maria betrachten, die in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen wurde, schauen sie somit auf die Erfüllung dieser Verheißung.
Der 15. August lädt uns ein, über unsere alltäglichen Sorgen, unsere Leiden und unsere Ängste hinauszuschauen.
Maria erinnert uns daran, dass unser irdisches Dasein einen Sinn hat und dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod.
Deshalb ist Mariä Himmelfahrt vor allem ein Fest der Freude und der Hoffnung.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Mariä Himmelfahrt und der Auferstehung Christi?
Um die Himmelfahrt Mariens vollständig zu verstehen, muss man sie im Licht der Auferstehung Jesu betrachten.
Der Sieg Christi über den Tod bildet den Kern der christlichen Hoffnung.
Maria ist eng mit dem Leben ihres Sohnes verbunden. Sie empfängt ihn bei der Verkündigung, bringt ihn in Bethlehem zur Welt, begleitet ihn während seines Lebens und bleibt am Fuße des Kreuzes bei ihm.
Ihre Himmelfahrt bringt diesen Sieg Christi über den Tod in besonderer Weise zum Ausdruck.
So ist Maria für die Christen das Zeichen dessen, was Gott denen verspricht, die ihr Vertrauen auf ihn setzen.
Warum wird die Jungfrau Maria im August besonders verehrt?
Der Monat August nimmt in der Marienverehrung einen wichtigen Platz ein, vor allem wegen des großen Festes am 15. August.
In vielen Pfarreien und Wallfahrtsorten bieten die Tage vor Mariä Himmelfahrt die Gelegenheit, dieses Fest durch Gebet vorzubereiten.
Manche Gläubige beten eine Novene zur Jungfrau Maria, nehmen am Rosenkranzgebet teil oder vertrauen der Muttergottes ein besonderes Anliegen an.
Am 22. August, wenige Tage nach Mariä Himmelfahrt, feiert die Kirche zudem das Gedenken an Maria, die Königin.
Diese beiden Feiern sind eng miteinander verbunden: Nachdem die Gläubigen bei Mariä Himmelfahrt Maria in der Herrlichkeit des Himmels verehrt haben, ehren sie sie als Königin des Himmels.
Wie kann man das Fest Mariä Himmelfahrt spirituell begehen?
Der 15. August kann zu einer echten Zeit der Erneuerung unserer Beziehung zur Jungfrau Maria werden.
Die Teilnahme an der Messe bildet für Katholiken natürlich den Mittelpunkt dieses Tages.
Es ist aber auch möglich, sich einen persönlichen Moment der Stille und des Gebets zu nehmen.
Sie können zum Beispiel den Rosenkranz beten, eine Kerze vor einem Bild der Jungfrau Maria anzünden oder ihr einfach Ihre Familie und die Menschen anvertrauen, die eine schwere Zeit durchmachen.
Dieser Tag kann auch eine Gelegenheit sein, Maria für ihre mütterliche Gegenwart zu danken und ihr ein besonderes Anliegen anzuvertrauen.
Eine Krankheit, eine familiäre Schwierigkeit, die Sorge um ein Kind, ein Trauerfall, ein Vorhaben oder einfach das Bedürfnis, wieder Frieden zu finden, können im Gebet vorgebracht werden.
Die Prozessionen am 15. August: eine nach wie vor lebendige Tradition
In vielen Regionen finden anlässlich des Festes Mariä Himmelfahrt Prozessionen zu Ehren der Jungfrau Maria statt.
Manchmal wird eine Statue der Muttergottes durch die Straßen getragen, während die Gläubigen betend und singend hinter ihr herziehen.
Diese Traditionen sind ein öffentlicher Ausdruck der Marienverehrung und ermöglichen es den christlichen Gemeinschaften, zusammenzukommen.
An den großen Marienwallfahrtsorten ist der 15. August natürlich einer der Höhepunkte des Jahres.
Tausende Pilger versammeln sich, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen, den Rosenkranz zu beten und der Jungfrau ihre Anliegen anzuvertrauen.
Ein Gebet an die Jungfrau Maria zum 15. August
O Maria, in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen,
an diesem Tag der Himmelfahrt
wenden wir uns vertrauensvoll an dich.
Wache über unsere Familien,
tröste diejenigen, die leiden,
und begleite diejenigen, die eine schwere Zeit durchmachen.
Hilf uns, den Glauben zu bewahren,
wenn der Weg schwierig wird,
und lehre uns, unser Vertrauen auf Gott zu setzen.
Führe uns stets zu deinem Sohn Jesus
und erfülle unsere Herzen
mit Frieden, Liebe und Hoffnung.
Unsere Liebe Frau von der Himmelfahrt, bitte für uns.
Amen.
Am 15. August eine Einladung, unseren Blick zum Himmel zu richten
In unserem Alltag, der oft von Sorgen geprägt ist, lädt uns das Fest Mariä Himmelfahrt dazu ein, für einen Moment innezuhalten.
Maria erinnert uns daran, dass das christliche Leben ein Weg der Hoffnung ist.
Diejenige, die dem Engel Gabriel antwortete „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“, hat ihr ganzes Leben im Vertrauen auf Gott verbracht. Ihre Himmelfahrt erscheint als die Erfüllung dieser Treue.
Der 15. August ist daher weit mehr als nur eine Tradition oder ein im Kalender vermerktes Fest.
Es ist eine Einladung, unseren Blick zum Himmel zu richten, unser Vertrauen in Gott zu erneuern und die Jungfrau Maria zu bitten, uns auf unserem eigenen Weg zu begleiten.
An diesem Fest der Himmelfahrt vertrauen wir ihr unsere Familien, unsere Freuden, unsere Sorgen und unsere Anliegen an.
Unsere Liebe Frau von der Himmelfahrt, wache über uns und führe uns zu deinem Sohn Jesus.