Im Lärm unseres geschäftigen Lebens kann das Wort "Fasten" seltsam, ein wenig radikal oder abgehoben klingen. Wir assoziieren es mit Nahrungsentzug, schwierigen Anstrengungen und manchmal sogar mit Zwang. In der christlichen Tradition ist das Fasten jedoch viel mehr als eine bloße Willensübung. Es ist ein innerer Akt, eine Art, sich neu zu zentrieren, einen Raum zu öffnen, zu schweigen, um besser zuhören zu können. Wenn das Fasten mit dem Herzen gelebt wird, wird es zu einem Weg zu Gott. Und im Mangel ist es nicht die Leere, die spricht, sondern die Präsenz, die sich nähert.
Fasten ist keine Leistung
Es ist wichtig, sich von einer falschen Vorstellung zu befreien: Fasten bedeutet nicht, dass man Gott oder anderen etwas beweisen muss. Es ist keine Prüfung, die es zu bestehen gilt, und auch keine spirituelle Herausforderung, der man sich stellen muss. Wahres Fasten ist kein innerer Wettkampf, sondern eine Hingabe. Es bedeutet, Gott zu sagen: "Du bist wichtiger als alles andere". Es ist nicht die Tatsache, dass wir weniger essen oder auf etwas verzichten, die uns näher zu Gott bringt, sondern die innere Haltung, mit der wir dies tun. Das Herz des Fastens ist die Liebe. Nicht der Verzicht an sich, sondern das, was wir dadurch neu lernen können: Einfachheit, Demut, Abhängigkeit von Gott.
Raum schaffen für das, was wirklich zählt
Fasten bedeutet, eine Leere zu schaffen, um eine Präsenz zu empfangen. In einem zu vollen, zu schnellen Tag bremst ein Mangel den Lauf, öffnet eine Lücke. Dieser Mangel kann der Mangel an Nahrung, an einem Bildschirm, an Komfort sein... Es spielt keine Rolle. Was zählt, ist, was dieser Mangel in uns offenbart. Er erinnert uns daran, dass wir zerbrechlich, begrenzt und manchmal unruhig sind. Und gerade dort, in dieser Zerbrechlichkeit, erreicht uns Gott. Das Fasten wird so zu einem Akt des Vertrauens: Man akzeptiert, nicht alles zu füllen, nicht alles zu konsumieren, um zu lernen, sich auf etwas anderes, auf jemand anderen zu stützen. Es ist eine Verschiebung des Herzens.
Fasten bedeutet auch, sich mit denen zu vereinen, denen es an allem mangelt
Fasten ist nicht nur ein persönlicher Akt, sondern auch ein Akt der Solidarität. Wenn man sich dafür entscheidet, auch nur ein wenig zu entbehren, tritt man in Gemeinschaft mit all jenen, die ihrerseits keine Wahl haben. Diejenigen, für die der Mangel alltäglich, dauerhaft und ungerecht ist. Das Fasten kann so zu einem stillen Gebet für sie werden, zu einer Geste der Einheit, zu einer Art zu sagen: "Ich will meine Brüder nicht vergessen". Es macht uns aufmerksamer, klarer und solidarischer. Es befreit uns von Gleichgültigkeit und drängt uns zum Handeln. Wenn man mit dem Herzen fastet, verwandelt man einen Mangel in eine Gabe, eine Entbehrung in Mitgefühl.
Ein Fasten, das vom Gebet bewohnt wird
Fasten allein, ohne Gebet, läuft Gefahr, zu einer bloßen menschlichen Anstrengung zu werden. Wenn man jedoch betend fastet, selbst wenn es nur kurz ist, selbst wenn es innerlich ist, ändert sich alles. Der Mangel wird zu einer Sprache, der Hunger zu einem Ruf. Man kann einfach zu Gott sagen: "Ich biete dir diese Leere an, komm und fülle sie". Oder auch: "Ich nehme dies nicht, um mich dir mehr zuzuwenden". In dieser stillen Hingabe wird das Fasten fruchtbar. Es ist nicht mehr ein Rückzug, sondern ein Schwung. Es gräbt in uns eine Erwartung, einen größeren Wunsch, einen reineren Durst aus. Es bereitet unser Herz darauf vor, die Gnade tiefer zu empfangen.
Schlussfolgerung
Fasten mit dem Herzen bedeutet, dem Mangel wieder einen Sinn zu geben. Es ist keine starre Übung, sondern ein lebendiger Prozess. Eine Entscheidung für die Liebe, ein Weg der Entäußerung, eine sanfte Art, zum Wesentlichen zurückzukehren. Das Fasten lehrt uns, anders zu leben, weniger zu konsumieren, um mehr zu lieben, uns ein wenig zu entleeren, um anders erfüllt zu werden. Und in diesen bewohnten Mangel, diesen gewählten Mangel, diesen angebotenen Mangel kommt Gott. Er füllt nicht, wie die Welt füllt. Er kommt sanft, unauffällig, aber er kommt. Und hier wird das Fasten zu einem echten Weg zum Leben.