Eine bedeutungsvolle symbolische Geste
Das Anzünden einer Kerze beim Beten ist eine einfache, aber zutiefst symbolische Geste. Die Kerze, die in vielen christlichen Traditionen vorkommt, ist ein sichtbares Zeichen für die unsichtbare Gegenwart Gottes. Ihre Flamme stellt das Licht Christi dar, das unsere Dunkelheit erhellt, unser Herz erwärmt und unsere Schritte leitet. Sie ist auch ein Akt des Glaubens: Selbst wenn alles dunkel zu sein scheint, entscheiden wir uns dafür, an das Licht zu glauben.
In der Bibel wird das Licht oft mit Gott selbst in Verbindung gebracht:
"Ich bin das Licht der Welt" (Johannes 8,12).
Eine Kerze anzuzünden bedeutet also, sich diesem Licht zuzuwenden, es anzurufen und sich ihm hinzugeben.
Eine Verlängerung unseres Gebets
Wenn wir beim Beten eine Kerze anzünden, setzen wir eine äußere Handlung, die unseren inneren Prozess verlängert. Die Kerze brennt weiter, auch nachdem man gegangen ist, als stille Erinnerung daran, dass auch unser Gebet weiter zum Himmel aufsteigt.
Sie ist auch ein sichtbares Zeichen unserer Absicht: eine Kerze für einen kranken Angehörigen, für einen Verstorbenen, für einen Dank, für eine bestimmte Bitte. Jede Flamme trägt einen Namen, einen Schrei, eine Hoffnung in sich.
Eine Hilfe zur Verinnerlichung
Die Flamme einer Kerze zieht natürlich den Blick auf sich. Sie beruhigt, verlangsamt und zentriert. In der Stille wird sie zu einer fast lebendigen Gebetsbegleiterin. Sie lädt uns ein, in uns selbst zu gehen, den Lärm der Welt zum Schweigen zu bringen und auf Gott zu hören. Sie beleuchtet sanft eine Ikone, eine aufgeschlagene Bibel, eine Marienstatue oder ein Kruzifix und schafft eine Atmosphäre der Besinnung, die dem tiefen Gebet förderlich ist.
Eine diskrete Opfergabe
Eine Kerze anzuzünden bedeutet auch, etwas von sich selbst anzubieten. Ein Docht brennt ab, ein Wachs schmilzt, ein Licht wird geboren. Es ist ein kleines symbolisches Opfer, das jedoch einen großen spirituellen Wert in sich trägt. Es bedeutet, etwas von sich selbst im Gebet zu geben: von seiner Zeit, seiner Aufmerksamkeit, seiner Präsenz.
In vielen Heiligtümern, wie in Lourdes oder Lisieux, werden jeden Tag Tausende von Kerzen angezündet. Sie bilden ein riesiges kollektives Gebet, eine ständige Wache des Glaubens, der Fürbitte und des Vertrauens.
Eine lebendige Tradition
Diese Praxis überdauert die Jahrhunderte und spricht weiterhin zu den Herzen. Sie kann sich anpassen: eine Kerze in einer Kirche, in einer Gebetsecke zu Hause, auf einem Grab, in einem Moment der Einsamkeit oder der Freude. Dieses kleine, zerbrechliche Feuer sagt etwas über unsere Menschlichkeit aus: verletzlich, aber leuchtend, unvollkommen, aber auf Gott ausgerichtet.
Es handelt sich nicht um eine magische Geste, sondern um ein Zeichen: ein Zeichen, das zum Herzen spricht, ein Zeichen, das die Erde und den Himmel verbindet.
Schlussgebet
Herr,
Durch das Anzünden dieser Kerze vertraue ich Dir meine Gedanken, meine Gebete und mein Schweigen an.
Lasse diese Flamme meinen Glauben widerspiegeln,
wenn auch noch so flackernd, so doch auf Dich gerichtet.
Lasse ihr Licht meine Dunkelheit vertreiben,
und ihre Wärme mich mit Deiner Liebe vereinen.
Empfange durch sie meine Opfergabe,
und mache mein Leben zu einem Licht für andere.
Amen.