Die Stille, die die Welt durchdringt
Karfreitag ist der Tag der großen Stille. Nach dem Tumult der Anschuldigungen, der Schläge und des Spotts, nach dem Krachen des in den Boden gerammten Kreuzes scheint die Welt stillzustehen. Jesus ist gestorben und alles scheint stillzustehen. Die Stille ist nicht nur um uns herum, sie dringt in die Herzen ein. Es ist eine Stille, die zu tiefer Kontemplation einlädt, eine Stille, die vom Geheimnis der totalen Hingabe bewohnt wird.
In dieser Stille weichen die menschlichen Worte dem Wort Gottes, das in den Gesten des gekreuzigten Christus eingeschrieben ist. Es bedarf keiner Reden mehr, denn das Kreuz spricht für sich selbst. Es lehrt uns die Liebe, die bis zum Äußersten geht, die unerschütterliche Treue Gottes für die verletzte Menschheit.
Das Kreuz mit offenem Herzen betrachten
Die Stille des Karfreitags anzunehmen bedeutet, zu akzeptieren, dass man dem Geheimnis des Kreuzes hilflos gegenübersteht. Es bedeutet, zu akzeptieren, nicht alles mit unserem menschlichen Verstand zu verstehen, sondern sich von der Tiefe der göttlichen Liebe berühren zu lassen, die sich in diesem letzten Augenblick offenbart.
Das Kreuz ist kein Scheitern. Es ist der höchste Ausdruck des Sieges der Liebe über das Böse und den Tod. Wenn wir den gekreuzigten Jesus betrachten, entdecken wir einen Weg der Demut und der Hoffnung. Er zeigt uns, dass selbst das ungerechteste Leiden in eine Quelle des Lebens verwandelt werden kann, wenn es in Liebe aufgeopfert wird.
Dieses Geheimnis des Kreuzes übersteigt uns, aber es ist uns nicht fremd. Es kommt, um unsere eigenen Kreuze, unsere heimlichen Schmerzen und unsere Verlassenheit zu heiraten, um uns eine neue Hoffnung anzubieten.
Die Stille, die zu unserem Herzen spricht
Diese Stille des Karfreitags ist nicht leer. Sie ist bewohnt. Sie spricht zu uns mehr als tausend Worte. Sie flüstert uns zu, dass Gott uns noch nie so nahe war wie in dieser Stunde, in der Jesus sein Leben hingibt. Er offenbart uns, dass in unserem eigenen Schweigen, in unseren Erwartungen und Prüfungen Gott im Verborgenen wirkt.
Sich an diesem Tag Zeit zu nehmen, um in der Stille zu verharren, bedeutet, in das tiefe Gebet einzutreten. Es bedeutet, unser Herz für die diskrete, aber mächtige Gegenwart Gottes zu öffnen. Diese Stille wird dann zu einem inneren Raum, in dem sich das Geheimnis des Kreuzes sanft entfaltet, wie ein Licht in der Nacht.
Sie hilft uns auch, den Schrei der Armen, der Leidenden, all derer, die auch heute noch ihr Kreuz tragen, zu hören. Die Stille des Karfreitags ist eine Schule des Zuhörens und des Mitgefühls.
Das Kreuz: ein Durchgang zum Leben
Wenn wir die Stille des Karfreitags willkommen heißen, bleiben wir nicht im Schmerz erstarrt. Diese Stille bereitet das strahlende Wort der Auferstehung vor. Denn das Kreuz ist nicht das letzte Wort Gottes. Es ist der notwendige Übergang zum neuen Leben.
Dieser stille Weg lehrt uns die Geduld des Glaubens. Wie die Jünger, die die Prüfung der Abwesenheit und des Schweigens Jesu am Grab erlebten, sind wir aufgerufen, gegen alle Hoffnung zu hoffen. In dieser scheinbaren Stille ist Gott am Werk. Er bereitet den Ostermorgen vor, den Triumph des Lichts über die Finsternis.
Die Stille des Karfreitags heute leben
Auch fernab der großen liturgischen Feiern können wir die Stille des Karfreitags in unserem Alltag voll und ganz erleben. Indem wir den unaufhörlichen Strom der Ablenkungen ausschalten, einige Augenblicke innehalten, um das Kreuz zu betrachten, machen wir der Gnade Platz.
Diese Stille ist keine Leere, die es zu füllen gilt, sondern ein Raum, den es zu bewohnen gilt. Sie formt uns, sie verwandelt uns. Sie macht uns aufmerksamer für die Stimme Gottes und für das Leiden anderer. Sie bereitet uns darauf vor, in Freude das Licht der Auferstehung zu empfangen.