Ein Tag der Stille und des Geheimnisses
Der Karsamstag ist zweifellos der stillste Tag des liturgischen Jahres. Jesus ruht im Grab. Das Geschrei der Passion ist verstummt, die Jünger sind verstreut, vernichtet von Schmerz und Unverständnis. Es ist eine schwebende Zeit, zwischen Tod und Auferstehung, zwischen Nacht und Morgengrauen.
Diese Stille ist nicht leer. Sie ist von einer diskreten, fast unmerklichen, aber realen Hoffnung bewohnt. Der Karsamstag lehrt uns, diese Tage des Wartens zu leben, diese Momente in unserem Leben, in denen alles erstarrt scheint, ohne erkennbaren Ausweg, aber in denen Gott im Verborgenen wirkt.
Das Warten, das reinigt und vorbereitet
In unserem Leben kennen wir alle den "Karsamstag": Zeiten des Zweifels, der Trauer, der Unsicherheit, in denen die Bezugspunkte zu zerfallen scheinen. Doch der Karsamstag lehrt uns, dass das Warten kein Selbstzweck ist, sondern eine notwendige Etappe auf dem Weg zum neuen Leben.
Es ist eine Zeit der Reinigung des Herzens, eine Zeit, in der wir eingeladen sind, unsere Erwartungen und Hoffnungen in die Hände Gottes zu legen. Sie bereitet uns darauf vor, das Licht der Auferstehung mit einem erneuerten, von unseren menschlichen Sicherheiten entkleideten Herzen zu empfangen.
Maria, Vorbild stiller Hoffnung
Am Karsamstag erstrahlt die Gestalt Marias in einem besonderen Licht. Sie, die ihrem Sohn bis nach Golgatha gefolgt ist, bleibt im Glauben und in der Hoffnung, selbst wenn alles verloren scheint. Ihre stille Hoffnung wird für uns zu einem wertvollen Vorbild.
Maria lehrt uns, Vertrauen in das Schweigen Gottes zu bewahren. Sie lehrt uns zu glauben, dass Gott selbst dann, wenn wir die Zeichen seiner Gegenwart nicht wahrnehmen, am Werk ist und den Morgen der Auferstehung vorbereitet.
Hoffnung gegen alle Hoffnung
Der Karsamstag ist eine Schule der Hoffnung. Er lädt uns ein, nicht trotz der scheinbaren Abwesenheit Gottes zu glauben, sondern gerade im Herzen dieser Abwesenheit. Er lehrt uns, im Glauben auszuharren, gegen alle Hoffnung zu hoffen, wie Abraham, der an Gottes Verheißung glaubte, selbst als alles menschlich unmöglich schien.
Diese Hoffnung stützt uns in unseren geistigen Nächten, sie treibt uns an, die Augen nach oben zu richten auf das Licht, das kommt, selbst wenn es noch verborgen ist.
Den Karsamstag in unserem Alltag leben
Jedes Mal, wenn wir eine Prüfung durchmachen, jedes Mal, wenn wir von Entmutigung oder Resignation versucht werden, sollten wir uns an den Karsamstag erinnern. Gott hat seinen Sohn nicht verlassen, und er wird auch uns nicht verlassen.
Den Karsamstag zu leben bedeutet, zu akzeptieren, im Glauben zu warten, zu glauben, dass Gott selbst in der Stille den Sieg des Lebens über den Tod vorbereitet. Es bedeutet zu lernen, hoffnungsvoll zu warten, in der Gewissheit, dass der Morgen der Auferstehung schließlich immer anbricht.
Sehr geehrter Herr Jesus,
An diesem stillen Tag des Karsamstags legen wir unsere Erwartungen, unsere Zweifel und unsere noch zerbrechlichen Hoffnungen in deine Hände. Lehre uns, im Glauben zu warten, auszuharren, wenn Stille uns umgibt.
Gib uns die Kraft zu glauben, dass du auch in der Dunkelheit am Werk bist, dass du für uns Wege der Auferstehung und des Lebens bereithältst. Lass in uns diese Hoffnung wachsen, die niemals enttäuscht, dieses tiefe Vertrauen in deine treue Liebe.
Mit Maria, deiner Mutter, wachen wir in Erwartung des Ostermorgens. Halte unsere Herzen offen für dein Licht und mache uns bereit, die Freude über deinen Sieg über den Tod zu empfangen.
Amen.