Die Karwoche ist das Herzstück des christlichen liturgischen Jahres. Sie beginnt mit dem Palmsonntag und findet ihren Höhepunkt im Ostertriduum: Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag. Es ist eine wertvolle Zeit, um in das Geheimnis des Todes und der Auferstehung Christi einzutauchen. In der Familie wird sie zu einer starken Zeit der Gemeinschaft, des gemeinsamen Gebets und der Weitergabe des Glaubens. Jeder Tag kann zu Hause auf einfache, aber tiefgründige Weise erlebt werden, die dem Alter der Kinder angepasst ist und ein Klima schafft, das der Besinnung und der Osterfreude förderlich ist.
Das Herz des Hauses vorbereiten
Bereits vor Beginn der Karwoche ist es gut, einen Raum zu schaffen, der dem Gebet gewidmet ist: ein kleiner Tisch mit einem Kreuz, einer Kerze, einer aufgeschlagenen Bibel, einer Ikone oder einem Bild von Jesus. Darauf kann jeden Tag ein neues Element gelegt werden, das mit den Etappen der Woche in Verbindung steht (Zweige, ein Brot, eine Serviette, eine Dornenkrone aus Pappe, ein Stein usw.).
Es ist auch hilfreich, gemeinsam einen Familien-"Fahrplan" zu planen, um jeden Tag betend zu erleben, auch wenn es nur kurz ist. Dieses gemeinsame Programm schafft eine Einheit in der Familie und gibt jedem eine Rolle, auch den Jüngsten.
Palmsonntag: Jesus mit Freude empfangen
Dieser Tag markiert den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem. Man kann den Tag damit beginnen, dass die ganze Familie das Evangelium vom Einzug Jesu auf einem Esel liest. Jedes Kind kann einen Papierzweig basteln, wenn es nicht an der Messe teilnehmen konnte. Man kann dann eine kleine Prozession durch das Haus oder den Garten organisieren und dabei "Hosanna!" singen.
Dies ist auch eine Gelegenheit, den Kontrast zwischen dem freudigen Jubel des Volkes und der folgenden Passion zu erklären und mit den Kindern über unser eigenes, manchmal wechselndes "Hosanna" zu sprechen.
Karfreitag, -dienstag und -mittwoch: Sich auf das Wesentliche konzentrieren
Diese Tage eignen sich für kleine Meditationen in der Familie rund um das Tagesevangelium. Man kann eine kurze Passage vorlesen und einen Moment der Stille oder des Austauschs lassen. Für Kinder kann eine manuelle Aktivität jede Lesung begleiten: Zeichnung von Jesus im Tempel, Bibelpuzzle, Basteln des letzten Abendmahls...
Man kann auch einen Moment der Vergebung in der Familie erleben: sich gegenseitig um Vergebung bitten, um unsere Herzen darauf vorzubereiten, den auferstandenen Jesus zu empfangen. Dies ist ein starker und zutiefst christlicher Akt.
Gründonnerstag: Geben und Dienen feiern
Der Gründonnerstag erinnert an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern, die Einsetzung der Eucharistie und die Fußwaschung. Zu Hause kann man ein besonderes Essen bei Kerzenlicht in einer feierlichen Atmosphäre veranstalten. Vor dem Essen kann ein Elternteil die Geschichte vom letzten Abendmahl aus dem Evangelium vorlesen.
Eine schöne Art, Christus nachzuahmen, ist eine konkrete Geste des Dienens: Die Eltern können den Kindern die Füße waschen und umgekehrt. Diese Geste prägt die Herzen tief und lehrt den Sinn des Dienens und der demütigen Liebe.
Karfreitag: In das Geheimnis des Kreuzes eintreten
Als Tag der Stille, des Fastens und des Gebets ist der Karfreitag der Höhepunkt der Entäußerung. Man kann mit der Familie eine Zeit der Stille erleben, die Bildschirme ausschalten und sich vor einem Kreuz versammeln. Es kann ein kindgerechter Kreuzweg vorgeschlagen werden, bei dem jede Station gelesen und einfach meditiert wird.
Ein Moment des Gebets kann auch um 15 Uhr, der Todesstunde Christi, erlebt werden. Man kann gemeinsam ein Vaterunser oder ein Ave Maria beten und Jesus für seine Liebe bis zum Kreuz danken.
Karsamstag: In der Stille und der Hoffnung wohnen
Der Karsamstag ist ein Tag der Erwartung. Jesus ruht im Grab, alles scheint vorbei zu sein, und doch nähert sich das Licht. Es ist ein Tag, um das Hoffen zu lernen. Man kann einen Moment des Gebets in der Stille erleben, einem sanften Lied lauschen, eine Kerze anzünden und darüber sprechen, was Warten bedeutet.
Die Kinder können das Haus für Ostern vorbereiten: ein Kreuz mit Blumen schmücken, Eier bemalen, einen Festtagskuchen backen. Man kann auch ein Gebet der Hoffnung schreiben, das man in die Familienbibel stecken kann.
Ostersonntag: Die Freude der Auferstehung feiern
Am Ostermorgen bricht die Freude aus! Man kann den Tag beginnen, indem man eine große Kerze anzündet und verkündet: "Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!". Ein Freudenlied, eine Lesung aus dem Evangelium von der Auferstehung und ein Gebet können diesen Moment markieren.
Der Eiersuche, falls es eine gibt, kann eine Zeit der Danksagung vorausgehen. Das Familienessen wird zu einem echten Osterbankett. Man kann jeden einladen, ein Wort der Hoffnung für das kommende Jahr zu teilen.
Eine lebendige Weitergabe des Glaubens
Die Karwoche in der Familie zu erleben, bedeutet, den Kindern eine konkrete Erfahrung des christlichen Glaubens anzubieten. Gesten, Schweigen, Worte und Symbole prägen sie viel mehr als eine lange Rede. Es knüpft tiefe Bande, zwischen den Familienmitgliedern, aber auch zu Christus selbst.
Auch mit geringen Mitteln kann jede Familie in dieses Geheimnis der Liebe eintreten und diese Woche zu einem Weg des Glaubens, der Gemeinschaft und des Lichts machen.
Auch mit geringen Mitteln kann jede Familie in dieses Geheimnis der Liebe eintreten und diese Woche zu einem Weg des Glaubens, der Gemeinschaft und des Lichts machen.