Der Monat Mai ist mehr als nur eine Tradition: Er ist eine echte spirituelle Zeit, ein Atemholen im christlichen Jahr. Aus liturgischer Sicht enthält der Mai kein obligatorisches Marienfest (mit Ausnahme, je nach Jahr, von Mariä Heimsuchung, das am 31. Mai gefeiert wird), und doch wird der gesamte Monat in einer marianischen Atmosphäre erlebt. Dies ist das Ergebnis einer langen, von der Kirche geförderten Volkstradition, die in diesem Frühlingsmonat eine Einladung sieht, unseren Blick, unseren Glauben und unser Herz in der Schule der Jungfrau Maria zu erneuern.
Den Marienmonat zu leben bedeutet, in einen inneren Prozess einzutreten, der uns dazu führt, Maria besser kennenzulernen, sie mehr zu lieben und uns vor allem von ihr zu ihrem Sohn, Jesus, führen zu lassen.
Maria, Mutter und Vorbild für das geistliche Leben
Maria ist weit mehr als eine historische Figur des Neuen Testaments. Für Christen ist sie eine lebendige und mütterliche Präsenz, eine Frau, die ganz auf Gott ausgerichtet ist, eine Seele, die für das Wirken des Geistes verfügbar ist. Sie ist das Modell des reinen Glaubens, des aufmerksamen Zuhörens, des stillen Gebets, der totalen Hingabe.
Den Monat Marias spirituell zu erleben, bedeutet zu lernen, mit ihr im Glauben zu wachsen. Sie ist keine unerreichbare Figur, sondern eine Mutter, die uns lehrt, Gott zu lieben und "Ja" zu seinem Willen zu sagen, auch wenn dieser verwirrend erscheint. Sie verkörpert ein Leben der Vereinigung mit Gott in Einfachheit und Hingabe.
Ein Monat des inneren Lichts
Der Monat Mai entspricht in der nördlichen Hemisphäre dem Frühling: Das Licht kehrt zurück, die Blumen blühen auf, die Natur erwacht. Spirituell symbolisiert dies eine innere Erneuerung. Die Jungfrau Maria, die oft mit einer Blume, einem Stern oder der Morgenröte verglichen wird, verkörpert dieses sanfte und reine Licht, das den Glanz der Sonne, die Christus ist, vorbereitet.
Sich im Mai an Maria zu wenden, bedeutet, Gott zu bitten, in uns neue Tugenden erblühen zu lassen. Es bedeutet auch, sich für das Licht statt für die Dunkelheit, für die Zärtlichkeit statt für die Härte, für den Glauben statt für die Angst zu entscheiden.
Maria, Erzieherin unseres Herzens
Maria drängt nichts auf: Sie lädt ein. Sie zerquetscht nicht: Sie erzieht. Sie stellt sich nie in den Vordergrund: Sie führt zu Jesus. Deshalb ist der Monat Mai eine ideale Zeit, um unser Herz zu erziehen, um zum Wesentlichen zurückzukehren.
Mit ihr lernen wir, tiefer zu beten, die Geheimnisse des Lebens Jesu im Rosenkranz zu betrachten, einen Blick der Güte auf die anderen zu werfen. Maria lehrt uns die innere Stille, die Verfügbarkeit und die Dankbarkeit. In diesem Sinne wird dieser Monat zu einem echten Weg der inneren Umkehr.
Ein Monat, um unsere Anliegen anzuvertrauen
In vielen christlichen Traditionen ist der Marienmonat ein Höhepunkt des Fürbittengebets. Die Gläubigen vertrauen der Jungfrau Maria ihre Familien, ihre Kinder, ihre Kranken, ihre Pläne und ihre Verletzungen an. Wie in Kana wacht Maria weiterhin, legt Fürsprache ein und flüstert Jesus zu: "Sie haben keinen Wein mehr".
Das Mariengebet ist nie ein Selbstzweck: Es ist ein Weg zu Christus. Es zentriert uns neu, beruhigt uns und lässt uns in ein größeres Vertrauen eintreten. Unsere Anliegen in diesem Monat Maria anzuvertrauen, bedeutet, uns ihrer Zärtlichkeit und ihrer mütterlichen Kraft anzuvertrauen.
Eine Gemeinschaft mit der Weltkirche
Im Monat Mai wendet sich ein großer Teil des christlichen Volkes überall auf der Welt an Maria. Diese spirituelle Dimension ist auch eine kirchliche: Sie vereint uns. Ob in einer Kathedrale in Europa, einer Dorfkapelle in Afrika, einer Einsiedelei in Lateinamerika oder einer Familie in Asien - in diesem Monat erheben sich Millionen von Stimmen, um Maria zu ehren.
Diesen Monat zu leben bedeutet also, in eine Gemeinschaft der Kirche einzutreten, in das Gebet des Volkes Gottes auf dem Weg, unterstützt und begleitet von derjenigen, die "Mutter der Kirche" ist.
Schlussfolgerung: Eine Schule der Sanftmut, des Glaubens und der Hoffnung
Die spirituelle Bedeutung des Marienmonats lässt sich nicht auf eine Reihe von Gebeten reduzieren: Sie eröffnet einen Weg. Sie lädt zu einer inneren Transformation ein, die unauffällig, aber tiefgreifend ist. Nach dem Vorbild Marias sind wir aufgerufen, Ja zu Gott zu sagen, das Leben zu tragen, Prüfungen im Glauben durchzustehen und gegen alle Hoffnung zu hoffen.
In diesem Monat kann jeder Tag zu einem Schritt auf Gott zu werden, der durch die mütterliche Gegenwart Marias erleuchtet wird. Er erinnert uns daran, dass Heiligkeit möglich ist, dass sie in einfachen Gesten beginnt und dass Maria geduldig und sanft an unserer Seite auf die Freude der Auferstehung zugeht.