Seit mehreren Jahrhunderten widmet die katholische Kirche den Monat Mai der Jungfrau Maria. Diese Tradition wurde zwar ab dem 18. Jahrhundert in Europa populär, hat ihre Wurzeln aber in viel älteren Anwandlungen der Verehrung für die Mutter Gottes. Der Monat Mai, der für Erneuerung, Blumen und Licht steht, wurde natürlich gewählt, um Maria zu ehren, die auch als "Blume des Feldes", "Königin des Himmels" oder "Unsere Liebe Frau" bezeichnet wird.
In vielen christlichen Kulturen auf der ganzen Welt ist der Mai daher von Prozessionen, Mariengebeten, Gesängen, Blumenkränzen und besonderen Momenten geprägt, in denen sich die Gläubigen vertrauensvoll an die Jungfrau Maria wenden. Dieser Monat wird zu einer wahren Schule der Zärtlichkeit, des Glaubens und der Kontemplation.
Maria, Vorbild des Glaubens und des Vertrauens
Der Jungfrau Maria einen ganzen Monat zu widmen, bedeutet nicht, sie anzubeten, wie man Gott anbetet, sondern ihr einen besonderen Platz auf unserem Glaubensweg einzuräumen. Maria ist diejenige, die "Ja" zu Gott gesagt hat, ohne alles zu verstehen, die das Geheimnis in ihrem Leben aufgenommen hat, die still gelitten, gehofft und geliebt hat.
In diesem Sinne ist sie ein Vorbild für jeden Christen. Sie zeigt uns den Weg des Vertrauens, der Treue in den kleinen Dingen und der Demut. Sie wacht über uns wie eine Mutter über ihre Kinder. Sich ihr zuzuwenden bedeutet, ihren Sohn, Jesus Christus, mehr lieben zu lernen.
Wie kann man den Marienmonat erleben?
Es gibt viele einfache und schöne Arten, diesen Marienmonat zu erleben:
1. Das Rosenkranzgebet
Im Monat Mai täglich oder wöchentlich den Rosenkranz zu beten, ist eine sehr alte Praxis. Indem man die freudenreichen, schmerzhaften, glorreichen und lichtvollen Geheimnisse meditiert, tritt man mit dem Blick und dem Herzen seiner Mutter allmählich in das Leben Christi ein.
2. Die Dekoration einer "Marienecke"
Man kann zu Hause einen kleinen Marienaltar mit einer Statue oder einem Bild der Jungfrau Maria, einer Kerze und einigen Blumen schaffen. Dieser Ort wird zu einem visuellen Bezugspunkt, einem Aufruf zum täglichen Gebet. Kinder lieben es oft, dort eine Zeichnung oder eine gepflückte Blume abzulegen.
3. Lieder an Maria
Der Mai ist eine gute Gelegenheit, die wunderschönen Marienlieder wiederzuentdecken: "Gegrüßet seist du Maria", "Mit Sternen gekrönt", "Regina caeli", "Magnificat", etc. Sie in der Familie oder in der Kirche zu singen, nährt den Glauben und die Freude.
4. Ein Schritt des Herzens
Opfer Maria in diesem Monat eine konkrete Anstrengung: eine erteilte Vergebung, eine jemandem geleistete Hilfe, ein Moment der Stille, ein Besuch bei einer einsamen Person. Jede Geste wird zu einer spirituellen Blume, die unserer himmlischen Mutter geopfert wird.
5. An Gemeinschaftszeiten teilnehmen
Viele Pfarreien organisieren im Mai Prozessionen, öffentliche Rosenkränze, besondere Messen und Marienwachen. Sich daran zu beteiligen, ermöglicht es, die Verbindung zwischen der Marienverehrung und dem kirchlichen Leben zu stärken.
Maria, Königin des Friedens und der Hoffnung
In einer oft unruhigen Welt wird Maria als Königin des Friedens angerufen. Sie lehrt uns den inneren Frieden, den Frieden, der aus der Hingabe an Gott kommt. Sie lehrt uns auch zu hoffen, selbst wenn alles verloren scheint, wie sie es am Fuße des Kreuzes getan hat.
Sie ist nicht distanziert, sondern nah. Sie ist keine Göttin, sondern eine Mutter. Sie ist die erste Jüngerin Christi, diejenige, die ihn am besten kennt und uns zu ihm führt.
Eine Einladung, in der Liebe zu wachsen
Der Monat Mai ist eine Einladung zu lieben. Maria zu lieben bedeutet, sich in eine größere, reinere und einfachere Liebe hineinziehen zu lassen. Es bedeutet, wiederzuentdecken, dass der christliche Glaube nicht in erster Linie eine Pflicht ist, sondern eine Liebesbeziehung. Und wer könnte uns das besser lehren als Maria?